Jazzfestival Leibnitz 2017 mit Rekordbesuch und einem neuen Prädikat

Bei strahlendem Herbstwetter und „maximal entspannter Toscana-Stimmung in Leibnitz“ (Kurier) ging die fünfte Ausgabe des Jazzfestival Leibnitz auf der Open Air-Bühne beim Weingartenhotel Harkamp „mit einem herrlich entrückten Frühschoppen“ (Die Presse) ins Finale.

Bei vier ausverkauften Tagen erübrigt es sich bei einem viertägigen Festival von einem neuen Besucherrekord zu sprechen. Die fünfte Ausgabe unter dem Motto Jazz&Wein war gleichsam auch die umfangreichste in der Geschichte des Jazzstern im Süden, wie „Die Presse“ in ihrer Vorschau auf das kleine Jubiläum titelte. Ein Prädikat, das wir gerne auf die Fahnen heften.

Ging es dabei in vier Tagen doch erstmals über ganze fünf Bühnen und gab es im Rahmenprogramm neben den schon traditionellen Weinverkostungen, einer Buchpräsentation und der obligaten Jazzfoto-Ausstellung auch einen – ausgebuchten – Workshop zur Jazzfotografie.

Als musikalischer Höhepunkt der Runde wird die Begegnung des Bassklarinettisten Louis Sclavis mit dem Emilé Parisien Quartet aus Paris wohl in die Festivalgeschichte eingehen. Immerhin konnte diese Österreich-Premiere mit „kleinen Meisterwerken der Kammermusik“ (der Standard) auch den größten Publikumserfolg einfahren. Was bei all der Komplexität, Dichte und vielschichtiger Textur ja nicht selbstverständlich ist.

„Grandioses aus Frankreich“ (noch einmal der Standard) also, jenem extravaganten Jazzland, das schon mit dem Yves Robert Trio am Eröffnungsabend im Weinkeller auf Schloss Seggau für die Überraschung schlechthin sorgte. Denn die hochkarätig besetzte Band um den virtuosen Paradeposaunisten präsentierte nicht nur allen Ankündigungen (CD-Präsentation) zum Trotz ein völlig neues Programm, sondern gleichsam auch den innovativsten Beitrag, ein packendes Konzert, das mit seiner frappanten elektronischen Live-Bearbeitung und seiner raffinierten rhythmischen Gliederung auch den letzten Akustik-Mohikaner zu missionieren vermochte

Zuvor schon eroberte die zierliche englische Saxophonistin Tori Freestone mit robustem Ton und berückender Kontrolle im klassischen Trio-Format die Anhänger zurückgenommener Jazz-Sophistication.

Auch die einzige US-Band der diesjährigen Festivalausgabe, das kultige New Yorker Quartett Sexmob, blieb – zur Freude vieler – programmatisch nicht ganz am angesagten Kurs, sondern vermischte seine Eigenkompositionen aus der neuen CD Cultural Capital dramaturgisch geschickt mit hintersinnigen Arrangements von Fellini-Songs aus der Feder Nino Rotas. Das sind uns aber solche!

Zwar war der Sound beim mit Spannung erwarteten Konzert des nigerianisch-britischen Sängers Ola Onabulé nun wirklich nicht ganz optimal. Die Diskrepanz zwischen jubilierenden Pressestimmen und sanfter Reserviertheit des Publikums im ausverkauften Hugo Wolf-Saal entbehrte aber nicht einer gewissen Rezeptionsoriginalität. So oder so, Onabulé bleibt auch nach dem Jazzfestival Leibnitz jene Ausnahmestimme, mit der in den nächsten Jahren in der Champions League zu rechnen ist.

Und noch einmal die Tageszeitung Die Presse: „Soweto Kinch überstrahlte alles“. Jazziger, viel jazziger als erwartet, reagierte der gefeierte britische Jazz- und Rap-Shootingstar auf das allgemeine Sesselkleben des Publikums. Hatte er sich einen Club in Birmingham erwartet?

Diese Sorgen hatte das nach zehn Jahren wiedervereinte Trio Café Drechlser mit seiner expliziten Club-Music freilich nicht. Da gab´s bei der erstmals durchgeführten Late Night Show am Freitag im nahen Marenzikeller ohnehin nur Stehplätze dicht an dicht. Womit sich diese Mitternachtseinlage auch als eine echte Bereicherung des Festivals herausstellte, eine, an der man weiterhin festhalten will.

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